Viele Menschen kennen das sogenannte Gesetz der Anziehung (englisch: Law of Attraction). Die Grundidee dahinter ist simpel und gleichzeitig faszinierend: Gleiches zieht Gleiches an. Wer positiv denkt, so die Annahme, zieht positive Ereignisse in sein Leben. Wünsche, Ziele und sogar Lebensumstände sollen sich durch die Kraft der Gedanken beeinflussen lassen.
In populären Darstellungen wird das Konzept oft mit einer Art „kosmischer Bestellung“ verglichen. Du stellst dir etwas intensiv vor, richtest deine Aufmerksamkeit darauf – und irgendwann erscheint es in deinem Leben. Diese Vorstellung wirkt zunächst motivierend, wirft jedoch auch einige kritische Fragen auf.
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Der Begriff und das manifestieren tauchte bereits im 19. Jahrhundert auf. Die Okkultistin Helena Petrovna Blavatsky verwendete ihn 1877 in ihren Schriften und Büchern. Große Bekanntheit erlangte das Konzept jedoch erst viel später durch Rhonda Byrne und ihr Buch The Secret, das eine weltweite Bewegung rund um positives Denken und Manifestation auslöste.
Heute greifen zahlreiche Coaches und Persönlichkeitsentwicklungsprogramme diese Idee auf. So vertritt etwa Laura Malina Seiler öffentlich die Auffassung, dass Manifestation zuverlässig funktionieren könne, wenn man innerlich klar ausgerichtet ist.
Doch wie tragfähig ist diese Annahme tatsächlich?
Die zentrale Schwierigkeit des Konzepts liegt in seiner Vereinfachung komplexer Lebensrealitäten. Wenn Gedanken allein über Erfolg, Gesundheit oder Beziehungen entscheiden würden, müssten schwierige Lebensereignisse automatisch als Resultat falschen Denkens interpretiert werden. Diese Schlussfolgerung kann schnell zu Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen führen.
Zudem besteht die Gefahr, passiv zu werden. Wer glaubt, das Universum werde alles regeln, könnte notwendige Schritte unterlassen – Bewerbungen schreiben, Gespräche führen, medizinische Hilfe suchen oder neue Fähigkeiten erlernen.
Psychologisch betrachtet kann positives Denken unterstützend sein. Doch es ersetzt weder Handlung noch äußere Bedingungen.
Die Psychologin Gabriele Oettingen untersuchte über viele Jahre die Wirkung positiven Fantasierens über Ziele. In mehreren Studien zeigte sich ein überraschendes Ergebnis: Menschen, die sich ausschließlich positive Zukunftsbilder ausmalten, investierten oft weniger Energie in die Zielverfolgung und erzielten langfristig schlechtere Ergebnisse.
Erst die Kombination aus Wunschbild und realistischer Betrachtung möglicher Hindernisse („Mental Contrasting“) führte zu mehr Motivation und Zielerreichung.
👉 Fazit: Reines positives Vorstellen reicht nicht aus – realistische Planung erhöht Erfolgschancen.
Der Psychologe Albert Bandura entwickelte das Konzept der Selbstwirksamkeit. Zahlreiche Untersuchungen belegen: Menschen handeln erfolgreicher, wenn sie überzeugt sind, durch ihr eigenes Verhalten Einfluss nehmen zu können.
Entscheidend ist dabei jedoch nicht bloß der Gedanke an Erfolg, sondern die Erwartung, konkrete Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Selbstwirksamkeit basiert also auf Erfahrung, Kompetenz und aktivem Tun – nicht auf Manifestation.
👉 Fazit: Erfolg hängt stärker von Handlungsüberzeugung als von Wunschdenken ab.
Forschung zum sogenannten unrealistischen Optimismus zeigt, dass übermäßiger Glaube an positive Ergebnisse Menschen dazu verleiten kann, Risiken zu unterschätzen oder notwendige Vorsorge zu vernachlässigen. Studien etwa im Gesundheitsbereich belegen, dass Personen mit starkem Optimismus teilweise weniger präventive Maßnahmen ergreifen.
👉 Fazit: Positives Denken kann hilfreich sein, verliert jedoch seine Wirkung, wenn es Realität ausblendet.
Auch wenn das Gesetz der Anziehung in seiner populären Form wissenschaftlich kaum gestützt ist, steckt ein wertvoller Kern darin: Gedanken beeinflussen Verhalten. Erwartungen, Glaubenssätze und Emotionen formen Entscheidungen, Motivation und Ausdauer.
Der Unterschied liegt jedoch im fehlenden „magischen“ Element. Veränderungen entstehen durch das Zusammenspiel von innerer Haltung und äußerem Handeln.
Ein hilfreicher Fokus kann daher auf Selbstwirksamkeit und bewusstem Gestalten liegen:
Ziele klar formulieren und in Zwischenziele unterteilen
Fortschritte sichtbar machen und reflektieren
Werte und Motivation hinter den Zielen klären
Ein unterstützendes Umfeld aufbauen
Vorbilder nutzen, um Lernprozesse zu beschleunigen
Erfolge bewusst wahrnehmen und feiern
Regelmäßig überprüfen, ob der eingeschlagene Weg noch passt
Unterstützung durch Coaching, Mentoring oder Sparringspartner nutzen
Optimismus, Vorstellungskraft und Vertrauen können kraftvolle Ressourcen sein. Sie helfen, Möglichkeiten zu erkennen, Hoffnung zu bewahren und dranzubleiben. Doch sie entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie mit Entscheidungen, Verhalten und Verantwortung verbunden sind.
Vielleicht geht es also weniger darum, beim Universum zu „bestellen“, sondern vielmehr darum, aktiv mitzuwirken, Chancen zu erkennen und Einflussbereiche zu nutzen.
Veränderung beginnt nicht im Universum – sondern in der Verbindung von Gedanken, Emotionen und konkretem Handeln.
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ÜBER DEN AUTOR

Sascha aus Nordhausen
Sascha ist Experte für Selbstbewusstsein und hat bereits zahlreiche Projekte aufgebaut in denen er sein Wissen unter Beweis gestellt hat. In diesem Blog erfährst du mehr über diese Themen!
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